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Riester-Rente kuendigen oder behalten? Wann du Geld verlierst, wann du profitierst und wie du in fuenf Minuten die richtige Entscheidung triffst

Riester-Rente kuendigen oder behalten? Wann du Geld verlierst, wann du profitierst und wie du in fuenf Minuten die richtige Entscheidung triffst

Du zahlst seit Jahren in deine Riester-Rente ein, bekommst einmal im Jahr einen Kontoauszug mit deprimierend niedrigem Guthaben und fragst dich: Lohnt sich das ueberhaupt noch? Soll ich kuendigen und das Geld in einen ETF stecken? Die Antwort ist leider nicht so einfach wie ja oder nein – sie haengt von deiner persoenlichen Situation ab. Fuer manche Menschen ist Riester trotz aller Kritik das beste Vorsorgeprodukt, fuer andere ist es Geldvernichtung. Hier ist die Entscheidungshilfe, die dein Bankberater dir nie geben wird, weil er an deinem Vertrag verdient.

Wie Riester funktioniert – und warum die Kritik berechtigt ist

Die Riester-Rente ist eine staatlich gefoerderte private Altersvorsorge: Du zahlst einen Eigenbeitrag (maximal vier Prozent deines Bruttoeinkommens minus Zulagen, mindestens 60 Euro im Jahr fuer volle Foerderung), der Staat legt Zulagen drauf (175 Euro Grundzulage, 185 Euro pro Kind, 300 Euro pro Kind ab 2008 geboren) und du bekommst zusaetzlich den Steuervorteil als Sonderausgabenabzug. Im Alter wird die Rente versteuert – aber in der Regel zu einem niedrigeren Steuersatz als waehrend des Berufslebens. Das Prinzip klingt gut – die Umsetzung ist das Problem.

Die Kosten vieler Riester-Vertraege sind extrem hoch: Abschlussprovisionen (oft 2.000 bis 4.000 Euro, verteilt auf die ersten fuenf Jahre), laufende Verwaltungskosten (ein bis zwei Prozent jaehrlich) und intransparente Fondskosten fressen einen grossen Teil der Rendite auf. Manche Vertraege haben nach 15 Jahren weniger Guthaben als die Summe der eingezahlten Beitraege und Zulagen – die Kosten haben die Foerderung aufgefressen. Dazu kommt die Beitragsgarantie: Der Anbieter muss garantieren, dass du mindestens deine eingezahlten Beitraege plus Zulagen zurueckbekommst – das zwingt ihn in sichere, aber renditechwache Anlagen (Anleihen statt Aktien), besonders wenn du aelter wirst. Zum Thema Altersvorsorge auch unser ETF-Ratgeber.

Fuer wen sich Riester trotzdem lohnt

Riester lohnt sich am meisten fuer: Familien mit Kindern (300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr ist geschenktes Geld – bei zwei Kindern nach 2008 sind das 600 Euro plus 175 Euro Grundzulage = 775 Euro jaehrliche Foerderung, auch wenn du nur den Mindestbeitrag von 60 Euro zahlst). Geringverdiener (60 Euro Eigenbeitrag, 175 Euro Zulage vom Staat – eine Rendite von 290 Prozent auf deinen Einsatz, die kein ETF der Welt bietet). Gutverdiener mit hohem Steuersatz (der Sonderausgabenabzug bringt bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent eine erhebliche Steuerersparnis, die ueber die Zulage hinausgeht).

Riester lohnt sich weniger fuer: Kinderlose mit mittlerem Einkommen (die Zulagen sind gering, die Kosten hoch und ein ETF-Sparplan bringt nach Kosten mehr Rendite). Selbstaendige (haben in der Regel keinen Anspruch auf Riester). Menschen mit bereits teurem Altvertrag und wenigen Jahren bis zur Rente (die hohen Kosten haben die Rendite bereits vernichtet, und die verbleibende Laufzeit reicht nicht, um das aufzuholen).

Kuendigen oder beitragsfrei stellen: Was klüger ist

Kuendigung ist fast immer die schlechteste Option: Du musst alle Zulagen und Steuervorteile zurueckzahlen – und bei einem Vertrag mit 10.000 Euro Guthaben, von dem 4.000 Euro Zulagen und 2.000 Euro Steuervorteile sind, bleiben dir nach Rueckzahlung nur 4.000 Euro. Besser: Beitragsfrei stellen – du zahlst nichts mehr ein, der Vertrag laeuft mit dem vorhandenen Guthaben weiter und du behaeltst alle Zulagen und Steuervorteile. Die Zulagen fuer die Zukunft fallen weg, aber das bisherige Guthaben bleibt dir erhalten. Noch besser: Anbieterwechsel – du kannst den Vertrag zu einem guenstigeren Anbieter uebertragen (z. B. zu einem ETF-basierten Riester-Vertrag mit niedrigen Kosten) und weiter einzahlen, um die Zulagen zu behalten.

Fazit: Nicht blind kuendigen – aber auch nicht blind weiterzahlen

Pruefe deinen Vertrag: Wie hoch sind die jaehrlichen Kosten? Wie hoch ist das aktuelle Guthaben im Verhaeltnis zu den Einzahlungen plus Zulagen? Wie viel Zulagen bekommst du jaehrlich? Wenn die Zulagen deine Kosten deutlich uebersteigen (typisch bei Familien mit Kindern und Geringverdienern): Behalten und weiterzahlen. Wenn die Kosten die Zulagen auffressen (typisch bei kinderlosen Mittel- bis Gutverdienern mit teurem Altvertrag): Beitragsfrei stellen und das Geld stattdessen in einen ETF-Sparplan investieren. Nie kuendigen, wenn du es vermeiden kannst – die Zulagenrueckzahlung macht die Kuendigung fast immer zum Verlustgeschaeft.

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