Ein Steingarten ist das Gegenteil eines englischen Rasens – statt gleichmaessigem Gruen, das woechentlich gemaeht, geduengt und gewaessert werden muss, bietet er eine naturnahe Landschaft aus Steinen, Kies und trockenheitsvertraeglichen Pflanzen, die fast keine Pflege braucht und trotzdem wunderschoen blueht. In Zeiten von heisseren Sommern und Wasserknappheit ist ein Steingarten nicht nur aesthetisch, sondern auch oekologisch sinnvoll – vorausgesetzt, du machst ihn richtig und verwechselst ihn nicht mit einem Schottergarten, der eine oekologische Wueste ist.
Steingarten vs. Schottergarten: Der entscheidende Unterschied
Ein Steingarten ist ein lebendiger Garten, in dem Steine die Kulisse bilden und speziell angepasste Pflanzen in den Zwischenraeumen wachsen – ein Abbild natuerlicher Gebirgslandschaften, voller Insekten, Eidechsen und Leben. Ein Schottergarten ist eine mit Vlies und Schotter bedeckte Flaeche, auf der nichts waechst, nichts lebt und die im Sommer die Hitze speichert wie ein Parkplatz – in vielen Bundeslaendern inzwischen fuer Neubaugebiete verboten. Was du anlegen willst, ist ein echter Steingarten: Steine als gestalterisches Element, Kies als Mulch und dazwischen Pflanzen, die Trockenheit lieben und Insekten anlocken.
Der ideale Standort fuer einen Steingarten ist sonnig und leicht geneigt (Hanglagen sind perfekt, weil Wasser ablauft – die meisten Steingartenpflanzen vertragen keine Staunaesse). Auf ebenem Boden kannst du eine leichte Erhoehung modellieren (Huegel aus Erde und Steinen aufschuetten) und so eine naturnahe Struktur schaffen. Der Boden sollte durchlaessig sein – schwere Lehmboeden mit Sand und Kies aufmischen, damit das Wasser abfliesst. Zum Thema Garten auch unser Staudenbeet-Ratgeber.
Die besten Pflanzen fuer den Steingarten
Steingartenpflanzen muessen drei Dinge koennen: Trockenheit vertragen, in magerem Boden gedeihen und niedrig wachsen. Die Klassiker: Sedum (Fetthenne) in verschiedenen Arten – robust, bluehfreudig, winterhart und in dutzenden Varianten erhaeltlich. Sempervivum (Hauswurz) – Rosetten in allen Groessen und Farben, praktisch unzerstoerbar. Thymian als Bodendecker – duftet, blueht lila und wird von Bienen geliebt. Blaukissen (Aubrieta) – bildet im Fruehling leuchtend blaue bis violette Polster, die ueber Steine cascadieren. Steinkraut (Alyssum) – goldgelbe Blueten, die kontrastreich mit den Blaukissen bluehen. Lavendel – Duft, Farbe, Bienenmagnet und mediteranes Flair in einem.
Fuer mehr Hoehe und Struktur: Ziergraeser (Blauschwingel, Federborstengras), Zwerg-Koniferen und kleine Gehoelze (Zwergwacholder, Ginster). Zwiebelpflanzen fuer den Fruehling: Wildkrokusse, Traubenhyazinthen und botanische Tulpen verwildern im Steingarten und kommen jedes Jahr wieder. Die Pflege beschraenkt sich auf: Einmal im Fruehling aufraumen (abgestorbene Pflanzenteile entfernen), gelegentlich Unkraut zupfen (wenig, weil die Kiesschicht Unkrautwuchs hemmt) und in extremen Trockenperioden giessen (die meisten Steingartenpflanzen kommen mit Regen aus). Duengen ist nicht noetig und sogar schaedlich – die Pflanzen sind an magere Bedingungen angepasst und wachsen bei zu viel Naehrstoffen unkontrolliert statt kompakt.
Fazit: Ein Steingarten ist Natur, die sich selbst pflegt
Ein Wochenende zum Anlegen, eine Stunde im Fruehling zum Aufraumen und gelegentliches Giessen im Hochsommer – weniger Pflege geht in keinem Garten. Dafuer bekommst du eine naturnahe, bluehende Landschaft, die Insekten und Eidechsen ein Zuhause bietet, im Sommer kuehl bleibt (anders als Schottergärten) und mit jedem Jahr schoener wird, weil die Pflanzen sich ausbreiten und die Steine ueberwuchern. Ein echter Steingarten ist kein Verzicht auf Gruen – er ist eine Feier der Pflanzen, die am wenigsten brauchen und am meisten geben.


