Du willst dein Zimmer streichen – wie schwer kann das sein? Farbe kaufen, Rolle rein, losrollen. Drei Stunden spaeter: Streifen an der Wand, Farbe auf dem Boden, die Decke hat Spritzer, die Kanten sind krumm und du schwörst, nie wieder einen Pinsel anzufassen. Wandstreichen ist tatsaechlich nicht schwer – aber es erfordert mehr Vorbereitung als die meisten Menschen investieren. Professionelle Maler verbringen 60 Prozent ihrer Zeit mit Vorbereitung und 40 Prozent mit Streichen – Laien machen es umgekehrt, und genau das erklaert den Qualitaetsunterschied.
Vorbereitung: Der unsichtbare Teil der Arbeit
Schritt eins: Raum vorbereiten. Alle Moebel aus dem Raum oder in die Mitte und mit Folie abdecken. Boden mit Abdeckvlies oder Malerfolie schuetzen – nicht mit Zeitungspapier (wird nass und laesst Farbe durch). Steckdosen, Lichtschalter und Tuerrahmen mit Kreppband abkleben. Lampen und Vorhangleisten abnehmen. Dieser Schritt dauert 30 bis 60 Minuten und spart dir stundenlange Fleckenentfernung danach.
Schritt zwei: Wand vorbereiten. Loecher und Risse mit Spachtelmasse fuellen (Fertigspachtel aus der Tube, ab 3 Euro), trocknen lassen und glatt schleifen (feines Schleifpapier, Koernung 120). Lose Tapete festkleben oder entfernen. Fettige Flecken (Kueche) und Nikotinflecken mit Anlauger reinigen, sonst bluten sie durch die neue Farbe durch. Stark saugende Untergründe (frischer Putz, Gipskarton) mit Tiefengrund vorstreichen – ohne Grundierung saugt der Untergrund die Farbe auf und du brauchst drei statt zwei Anstriche. Diese Wandvorbereitung kostet 30 Minuten bis eine Stunde und ist der Unterschied zwischen einem professionellen und einem amateurhaften Ergebnis. Zum Thema Renovierung auch unser Kalk-Ratgeber.
Streichen: Die richtige Technik fuer streifenfreie Waende
Zuerst die Kanten: Mit einem Heizkoeerpinsel oder einer kleinen Rolle (zehn Zentimeter) die Kanten an Decke, Boden, Ecken und abgeklebten Flaechen vorstreichen – ein drei bis fuenf Zentimeter breiter Streifen reicht. Diesen Schritt nie auslassen – die grosse Rolle kommt nicht in die Ecken und hinterlaesst unsaubere Raender. Dann die Flaeche: Grosse Rolle (25 Zentimeter, kurzfloriger Lammfellbezug fuer glatte Waende, langfloriger fuer Raufaser) gut in der Farbwanne abrollen (nicht tropfend, aber gleichmaessig getraenkt). In grossen, ueberlappenden W- oder M-Foermigen Bewegungen auftragen und dann gleichmaessig in eine Richtung verteilen – immer nass-in-nass arbeiten (den feuchten Rand nicht antrocknen lassen, sonst entstehen Ansaetze).
Zwei Anstriche sind fast immer noetig – der erste deckt nicht vollstaendig, und das ist normal. Den ersten Anstrich vier bis sechs Stunden trocknen lassen (Herstellerangaben auf der Dose beachten), dann den zweiten Anstrich in derselben Technik auftragen. Nach dem zweiten Anstrich: Kreppband entfernen, solange die Farbe noch leicht feucht ist (trockene Farbe reisst beim Abziehen und hinterlaesst gezackte Kanten), Abdeckungen entfernen und lueften. Die hochwertige Wandfarbe ist die beste Investition: Premium-Farbe (Alpina, Caparol, Schöner Wohnen, ab 10 Euro pro Liter) deckt in zwei Anstrichen, tropft weniger und hat eine gleichmaessigere Farbgebung als Billigfarbe (ab 3 Euro pro Liter), die vier Anstriche braucht und trotzdem fleckig aussieht. Am Ende ist Premium-Farbe guenstiger, weil du weniger brauchst.
Fazit: Gut vorbereitet ist halb gestrichen
Abkleben, Boden abdecken, Loecher spachteln, Kanten vorstreichen und dann in zwei Anstrichen mit guter Farbe gleichmaessig rollen – das ist die gesamte Technik. Ein Zimmer (15 Quadratmeter) schaffst du als Anfaenger an einem Tag: Vormittags vorbereiten und erster Anstrich, nachmittags zweiter Anstrich. Am Abend stehst du in einem frisch gestrichenen Raum und fuehlst dich wie ein Renovierungsprofi – weil du einer bist.

