Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit klingt großartig – und ist es auch (Note 1). Aber was bedeutet Er hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden? Übersetzt: Note 5, mangelhaft. Arbeitszeugnisse in Deutschland sind in einer Geheimsprache geschrieben, die wohlwollend klingen muss, aber gleichzeitig die Wahrheit über deine Leistung transportiert. Wenn du den Code nicht kennst, weißt du nicht, was dein Chef wirklich über dich geschrieben hat – und dein nächster Arbeitgeber versteht es sehr wohl.
Die Notenskala im Arbeitszeugnis
Note 1 (sehr gut): Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit, hat die Erwartungen in jeder Hinsicht und in allerbester Weise erfüllt, herausragende Leistungen. Schlüsselwort: stets + vollste. Note 2 (gut): Stets zu unserer vollen Zufriedenheit, hat die Erwartungen in jeder Hinsicht und in bester Weise erfüllt. Schlüsselwort: stets + volle (ohne vollste). Note 3 (befriedigend): Zu unserer vollen Zufriedenheit, hat die Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt. Schlüsselwort: volle Zufriedenheit OHNE stets. Note 4 (ausreichend): Zu unserer Zufriedenheit. Schlüsselwort: nur Zufriedenheit – kein voll, kein stets. Note 5 (mangelhaft): Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit, hat sich bemüht. Schlüsselwort: im Großen und Ganzen oder bemüht – beides ist verheerend.
Versteckte Warnsignale: Fehlende Aussagen sind genauso wichtig wie vorhandene: Wird deine Führungskompetenz nicht erwähnt, obwohl du Führungskraft warst? Fehlt die Erwähnung deiner Eigeninitiative? Jede Auslassung ist ein Signal für den neuen Arbeitgeber. Reihenfolge: Wird dein soziales Verhalten vor deiner Leistung erwähnt (Er war bei Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen beliebt), kann das heißen: Netter Mensch, aber fachlich schwach. Wann du Änderungen fordern kannst: Du hast einen Rechtsanspruch auf ein wohlwollendes, aber wahrheitsgemässes Arbeitszeugnis. Note 3 ist der Standardanspruch – für eine bessere Note musst du Leistung nachweisen, für eine schlechtere muss der Arbeitgeber Gründe liefern. Zum Thema Karriere auch unser Bewerbungsgespräch-Ratgeber.
Fazit: Lass dein Zeugnis prüfen – bevor es dein nächster Arbeitgeber tut
Lies dein Zeugnis mit der Notenskala in der Hand, prüfe auf versteckte Signale und fordere Änderungen, wenn du unter Note 2 bewertet wurdest und bessere Leistung nachweisen kannst. Ein Arbeitszeugnis begleitet dich jahrelang – investiere 30 Minuten in die Prüfung.
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