in

Erbschein beantragen: Wann du ihn wirklich brauchst, was er kostet, wie lange es dauert und wann du dir das Geld sparen kannst

Erbschein beantragen: Wann du ihn wirklich brauchst, was er kostet, wie lange es dauert und wann du dir das Geld sparen kannst

Jemand in deiner Familie ist gestorben und die Bank sagt: Ohne Erbschein können wir Ihnen keinen Zugang zum Konto geben. Also brauchst du einen Erbschein – aber was ist das genau, wie bekommst du ihn und warum kostet er so viel? Und vor allem: Brauchst du ihn wirklich, oder gibt es Alternativen? Die Antworten können dir hunderte Euro sparen, denn ein Erbschein ist in vielen Fällen gar nicht nötig – die meisten Menschen beantragen ihn nur, weil die Bank es verlangt und sie nicht wissen, dass es günstigere Wege gibt.

Was ein Erbschein ist und wann du ihn brauchst

Ein Erbschein ist ein amtliches Dokument, das vom Nachlassgericht ausgestellt wird und bestätigt, wer Erbe ist und zu welchem Anteil. Er dient als Nachweis gegenüber Banken, Versicherungen, dem Grundbuchamt und anderen Institutionen, die wissen müssen, wer über den Nachlass verfügen darf. Du brauchst ihn zwingend bei: Immobilien (für die Umschreibung im Grundbuch), wenn kein Testament und kein Erbvertrag existiert (die gesetzliche Erbfolge muss nachgewiesen werden) und wenn mehrere Erben sich nicht einig sind (der Erbschein klärt die Verhältnisse verbindlich).

Du brauchst ihn oft nicht bei: Bankkonten, wenn ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag mit Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts vorliegt (die meisten Banken akzeptieren das als Alternative zum Erbschein – bestehe darauf, wenn die Bank einen Erbschein verlangt, obwohl ein notarielles Testament existiert). Lebensversicherungen mit namentlich benanntem Bezugsberechtigten (das Geld geht direkt an den Begünstigten, nicht in den Nachlass). Und bei kleinen Nachlässen, wenn die Bank kulant ist und eine eidesstattliche Versicherung plus Sterbeurkunde akzeptiert. Zum Thema Erbrecht auch unser Erbfolge-Ratgeber.

Wie du den Erbschein beantragst: Schritt für Schritt

Der Erbschein wird beim Nachlassgericht (Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen) beantragt – persönlich oder über einen Notar. Du brauchst: Die Sterbeurkunde, deine eigene Geburtsurkunde oder Heiratsurkunde (zum Nachweis des Verwandtschaftsverhältnisses), Personalausweis, das Testament oder den Erbvertrag (falls vorhanden), Angaben zu allen Erben (Namen, Adressen, Verwandtschaftsverhältnis) und eine eidesstattliche Versicherung, dass dir keine weiteren Erben oder Testamente bekannt sind. Die eidesstattliche Versicherung gibst du vor dem Nachlassrichter oder dem Notar ab – Vorsicht: Falsche Angaben sind strafbar.

Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert und werden nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) berechnet. Orientierungswerte: Bei einem Nachlasswert von 50.000 Euro kostet der Erbschein etwa 165 Euro, bei 100.000 Euro etwa 273 Euro, bei 250.000 Euro etwa 535 Euro und bei 500.000 Euro etwa 935 Euro. Dazu kommen die Kosten für die eidesstattliche Versicherung (gleiche Höhe) und möglicherweise Notarkosten. Die Dauer variiert je nach Nachlassgericht: Vier bis acht Wochen sind üblich, in komplexen Fällen oder bei überlasteten Gerichten kann es drei bis sechs Monate dauern. In dringenden Fällen (z. B. Mietwohnung des Verstorbenen muss gekündigt werden) kann ein Eilantrag gestellt werden.

Fazit: Prüfe zuerst, ob du den Erbschein wirklich brauchst

Bevor du einen Erbschein beantragst, prüfe: Gibt es ein notarielles Testament? Dann reicht das Eröffnungsprotokoll in den meisten Fällen als Nachweis. Gibt es Immobilien? Dann brauchst du den Erbschein für das Grundbuch. Weigert sich die Bank trotz notariellem Testament? Bestehe auf dein Recht – die Rechtsprechung ist auf deiner Seite. Ein Erbschein ist ein teures Dokument, das in vielen Fällen vermeidbar ist – und in den Fällen, in denen er nötig ist, eine sinnvolle Investition in Rechtssicherheit.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und journalistischen Aufbereitung. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung im Einzelfall. Gesetze, Fristen, Beitragssätze und die Rechtsprechung ändern sich laufend – trotz sorgfältiger Recherche können Angaben überholt oder unvollständig sein. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Rechtsanwältin, einen Steuerberater, deine Behörde oder eine Verbraucherzentrale. Eine Haftung für Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden, ist ausgeschlossen.

Lipoedem: Warum deine dicken Beine nicht deine Schuld sind, wie du die richtige Diagnose bekommst und welche Behandlungen die Krankenkasse uebernimmt

Lipödem: Warum deine dicken Beine nicht deine Schuld sind, wie du die richtige Diagnose bekommst und welche Behandlungen die Krankenkasse übernimmt

Depot fuer Kinder eroeffnen: Wie du mit 25 Euro monatlich deinem Kind zum 18. Geburtstag 10.000 Euro schenkst und welche Fehler du vermeiden musst

Depot für Kinder eröffnen: Wie du mit 25 Euro monatlich deinem Kind zum 18. Geburtstag 10.000 Euro schenkst und welche Fehler du vermeiden musst