Jede fünfte Frau in Deutschland hat Krampfadern – und die meisten denken, das sei nur ein kosmetisches Problem. Falsch. Unbehandelte Krampfadern können zu Thrombosen, Hautveränderungen und offenen Beinen führen. Die gute Nachricht: Es gibt heute schonende, minimalinvasive Methoden, die ambulant durchgeführt werden und von der Krankenkasse bezahlt werden.
Was sind Krampfadern und warum entstehen sie?
Krampfadern, medizinisch Varizen, sind erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen, deren Klappen nicht mehr richtig schließen. Das Blut fließt zurück und staut sich, die Vene weitet sich weiter – ein Teufelskreis. Risikofaktoren sind genetische Veranlagung, Schwangerschaften, langes Stehen oder Sitzen, Übergewicht und zunehmendes Alter. Frauen sind aufgrund der hormonellen Einflüsse deutlich häufiger betroffen als Männer.
Die Symptome reichen von müden, schweren Beinen über Schwellungen und nächtliche Wadenkrämpfe bis zu sichtbar geschlängelten Venen. Im fortgeschrittenen Stadium können bräunliche Hautverfärbungen, Ekzeme und im schlimmsten Fall ein offenes Bein (Ulcus cruris) entstehen. Wenn du schwere Beine oder Besenreiser hast, findest du erste Tipps in unserem Ratgeber zu schweren Beinen und Besenreisern.
Diagnose: Der Weg zum Phlebologen
Die Diagnose stellt ein Phlebologe (Venenarzt) oder ein Gefäßchirurg. Die Basisuntersuchung ist die Duplexsonografie – eine schmerzfreie Ultraschalluntersuchung, die zeigt, welche Venen betroffen sind und wie stark die Klappen geschädigt sind. Aufgrund dieser Untersuchung wird die Behandlungsstrategie festgelegt. Die Untersuchung wird von der Krankenkasse bezahlt, du brauchst eine Überweisung vom Hausarzt.
Die Behandlungsmethoden im Vergleich
Verödung (Sklerotherapie)
Bei der Verödung wird ein Medikament direkt in die Krampfader gespritzt, das die Venenwand verklebt. Die Vene wird vom Körper abgebaut und verschwindet innerhalb von Wochen. Die Schaumsklerosierung ist eine Weiterentwicklung, bei der das Verödungsmittel als Schaum injiziert wird und so auch größere Venen erreicht. Die Behandlung dauert 15 bis 30 Minuten, ist ambulant und erfordert keine Narkose. Kosten: 100 bis 500 Euro pro Sitzung, bei medizinischer Indikation Kassenleistung.
Endovenöse Lasertherapie (EVLT)
Bei der Lasertherapie wird eine dünne Laserfaser in die Krampfader eingeführt und die Vene durch Hitze von innen verschlossen. Der Eingriff erfolgt ambulant unter örtlicher Betäubung und dauert etwa eine Stunde. Die Erfolgsraten liegen bei über 95 Prozent. Die Kosten betragen 1.500 bis 2.500 Euro pro Bein – die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit.
Radiowellentherapie (VNUS Closure)
Ähnlich wie die Lasertherapie, aber statt Laserlicht wird Radiofrequenzenergie verwendet. Der Katheter erhitzt die Venenwand kontrolliert auf 120 Grad, die Vene zieht sich zusammen und verschließt sich. Manche Phlebologen bevorzugen diese Methode, da sie etwas schonender sein soll. Die Kosten und Kassenerstattung sind vergleichbar mit der Lasertherapie.
Stripping-Operation
Die klassische Operation, bei der die Krampfader über kleine Schnitte herausgezogen wird. Sie gilt immer noch als Referenzstandard, wird aber zunehmend von den minimalinvasiven Methoden abgelöst. Die Heilungszeit ist mit zwei bis drei Wochen länger, die Ergebnisse sind aber ebenfalls sehr gut. Die Kosten werden als Kassenleistung komplett übernommen.
Was zahlt die Krankenkasse?
Bei medizinischer Indikation – und die liegt bei echten Krampfadern fast immer vor – übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Behandlung. Das gilt für das klassische Stripping, die endovenöse Lasertherapie, die Radiowellentherapie und die Verödung. Die Überweisung kommt vom Hausarzt, die Indikationsstellung macht der Phlebologe.
Rein kosmetische Behandlungen, etwa die Verödung kleiner Besenreiser ohne Krankheitswert, werden in der Regel nicht erstattet. Hier zahlst du selbst, die Kosten liegen bei 100 bis 300 Euro pro Sitzung.
Vorbeugung: Was du selbst tun kannst
Bewegung ist die beste Vorbeugung: Gehen, Schwimmen und Radfahren aktivieren die Wadenmuskelpumpe, die das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen befördert. Vermeide langes Stehen und Sitzen, lege die Beine hoch, wenn du kannst, und trage bei langen Flügen oder Busreisen Kompressionsstrümpfe. Kalte Güsse an den Beinen stärken die Venenwände, und Übergewicht zu reduzieren entlastet das Venensystem erheblich.
FAQ: Häufige Fragen zur Krampfader-Behandlung
Kommen Krampfadern nach der Behandlung wieder?
Es können sich neue Krampfadern an anderen Stellen bilden, da die Veranlagung bestehen bleibt. Die Rezidivrate liegt je nach Methode bei 10 bis 20 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Minimalinvasive Methoden haben tendenziell geringere Rezidivraten als das klassische Stripping.
Wie lange bin ich nach der Behandlung arbeitsunfähig?
Bei der Verödung und den endovenösen Verfahren bist du in der Regel sofort oder nach ein bis zwei Tagen wieder arbeitsfähig. Nach einer Stripping-OP solltest du mit einer bis zwei Wochen Ausfallzeit rechnen, bei schwerer körperlicher Arbeit etwas länger.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Alle modernen Verfahren werden unter örtlicher Betäubung durchgeführt, du spürst also während der Behandlung wenig bis nichts. In den Tagen danach können leichte Schmerzen, ein Ziehen oder Druckgefühl auftreten, das aber gut mit normalen Schmerzmitteln behandelbar ist.
Fazit: Nicht warten, handeln
Krampfadern sind kein rein kosmetisches Problem – und sie verschwinden nicht von allein. Je früher du sie behandeln lässt, desto einfacher und komplikationsärmer ist die Therapie. Die modernen Methoden sind schonend, ambulant und werden in den meisten Fällen von der Krankenkasse bezahlt. Sprich mit deinem Hausarzt und lass dich zum Phlebologen überweisen.


