In Deutschland leben rund acht Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung – und Millionen weitere hätten Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis, stellen aber keinen Antrag. Oft aus Unwissen, manchmal aus falscher Scham. Dabei bringt der Ausweis handfeste Vorteile: Zusatzurlaub, Steuerfreibeträge, Kündigungsschutz, kostenloser ÖPNV und vieles mehr. Auch chronische Erkrankungen wie Diabetes, Endometriose, Depressionen oder Fibromyalgie können einen Grad der Behinderung begründen.
Wer hat Anspruch und ab welchem GdB?
Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung von mindestens 50 hat. Den GdB legt das Versorgungsamt fest, basierend auf ärztlichen Befunden. Auch mehrere kleinere Beeinträchtigungen werden zusammengerechnet. Ein Beispiel: Rückenleiden GdB 20, Depression GdB 30, Migräne GdB 20 – in der Summe kann das einen GdB von 50 oder mehr ergeben. Wichtig: Die einzelnen Werte werden nicht einfach addiert, sondern die Gesamtauswirkung wird bewertet.
So stellst du den Antrag
Den Antrag stellst du beim Versorgungsamt deines Bundeslandes – in vielen Bundesländern geht das online. Du brauchst ärztliche Befunde, Arztberichte und eine Liste aller Diagnosen. Je detaillierter die Unterlagen, desto schneller die Bearbeitung. Tipp: Schreibe einen persönlichen Begleitbrief, in dem du beschreibst, wie deine Beeinträchtigungen deinen Alltag konkret einschränken. Die Bearbeitungszeit beträgt je nach Bundesland drei bis sechs Monate. Bei Ablehnung: Widerspruch innerhalb eines Monats – die Erfolgsquote bei Widersprüchen ist überraschend hoch.
Der Schwerbehindertenausweis ist kein Stigma – er ist ein Werkzeug, das dir zusteht und das dein Leben erleichtern kann. Prüfe deine Ansprüche und stelle den Antrag.


