Die Deutschen sind Versicherungsweltmeister – im Schnitt zahlt jeder Haushalt weit über 1.000 Euro pro Jahr für Policen. Das Problem: Ein großer Teil davon fließt in Versicherungen, die Verbraucherschützer seit Jahren als überflüssig einstufen. Sie versichern kleine, verkraftbare Schäden zu hohen Preisen – während die wirklich existenziellen Risiken oft unterversichert bleiben. Zeit für den Kassensturz.
Die 7 Kandidaten für die Kündigung
1. Handyversicherung: 60 bis 150 Euro pro Jahr, voller Ausschlüsse (Display nur mit Selbstbeteiligung, Diebstahl oft nur aus verschlossenen Räumen, Zeitwert statt Neuwert). Ein kaputtes Handy ist ärgerlich, aber kein existenzielles Risiko. 2. Glasbruchversicherung: Fenster gehen selten kaputt – und wenn, kostet die Scheibe oft weniger als Jahre an Beiträgen. 3. Reisegepäckversicherung: Zahlt in der Praxis fast nie voll (grobe Fahrlässigkeit-Einwände: Koffer unbeaufsichtigt, Wertsachen im aufgegebenen Gepäck). Airlines haften ohnehin nach dem Montrealer Übereinkommen. 4. Insassenunfallversicherung: Doppelt versichert – Mitfahrer sind über die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers geschützt, immer. 5. Sterbegeldversicherung: Teuer und renditeschwach – wer für die Beerdigung vorsorgen will, fährt mit einem simplen Tagesgeldkonto fast immer besser. 6. Brillenversicherung: Beiträge und Wartezeiten fressen den Nutzen – Rücklage bilden ist günstiger. 7. Restschuldversicherung beim Ratenkredit: Der Klassiker der teuren Überflüssigkeit – verteuert den Kredit massiv, steckt voller Ausschlüsse; eine Risikolebensversicherung schützt Angehörige besser und günstiger.
Was du stattdessen WIRKLICH brauchst: Privathaftpflicht (existenziell, 3 bis 5 Euro im Monat), Berufsunfähigkeitsversicherung (dein Einkommen ist dein größtes Vermögen), Krankenversicherung (Pflicht), Kfz-Haftpflicht (Pflicht), und je nach Lebenslage: Risikoleben (Familie/Kredit), Wohngebäude (Eigentümer), Hausrat (sinnvoll ab nennenswertem Besitz). Die Faustregel der Verbraucherzentralen: Versichere existenzielle Risiken (die dich ruinieren können) – nicht Ärgernisse (die du aus der Rücklage zahlst). So kündigst du: Ordentlich zum Vertragsende (meist 1 bis 3 Monate Frist) – oder per Sonderkündigungsrecht bei jeder Beitragserhöhung. Die frei werdenden 200 bis 500 Euro pro Jahr: in die Notfallrücklage oder den ETF-Sparplan. Zum Thema Versicherungen auch unser Haftpflicht-Ratgeber.
So prüfst du deinen Versicherungsordner in 30 Minuten
Nimm dir einmal im Jahr eine halbe Stunde und lege alle Policen nebeneinander. Schreibe zu jeder Versicherung zwei Zahlen auf: den Jahresbeitrag und den maximalen Schaden, den sie abdeckt. Dann stelle dir eine einzige Frage – könnte ich diesen Schaden notfalls aus eigener Tasche zahlen? Lautet die Antwort ja, brauchst du die Versicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Lautet sie nein, weil der Schaden dich finanziell ruinieren würde, ist die Police richtig und sollte sogar überprüft werden, ob die Summe ausreicht.
Achte bei dieser Durchsicht besonders auf Doppelversicherungen, die überraschend häufig vorkommen. Viele zahlen gleichzeitig für eine Auslandskrankenversicherung über die Kreditkarte und einen separaten Vertrag. Andere haben Rechtsschutz doppelt, einmal privat und einmal über die Gewerkschaft oder einen Verband. Und wer eine gute Hausratversicherung besitzt, braucht oft keine zusätzliche Fahrradversicherung, sofern die Fahrradklausel bereits enthalten ist.
Die Reihenfolge, in der Versicherungen wirklich wichtig sind
Wenn das Budget begrenzt ist, hilft eine klare Rangfolge. Ganz oben steht die private Haftpflichtversicherung: Sie kostet wenige Euro im Monat und schützt vor Schäden, die schnell in die Millionen gehen können. Direkt danach kommt die Absicherung deiner Arbeitskraft, denn dein künftiges Einkommen ist in aller Regel dein größter Vermögenswert. Erst danach folgen Sachversicherungen wie Hausrat oder Wohngebäude, und ganz zum Schluss alles, was lediglich Komfort absichert.
Was du mit dem gesparten Geld machst, ist fast genauso wichtig wie das Kündigen selbst. Wer 300 Euro jährlich an überflüssigen Beiträgen einspart, sollte diesen Betrag nicht einfach im Alltag versickern lassen, sondern gezielt in die Notfallrücklage oder einen Sparplan lenken. So wird aus dem Aufräumen im Versicherungsordner echter Vermögensaufbau statt nur ein kurzfristiges Aufatmen. Mehr dazu in unserem Haftpflicht-Ratgeber.
Fazit: Existenz versichern, Ärgernisse selbst tragen – 7 Kündigungen, Hunderte Euro frei
Geh heute deinen Versicherungsordner durch: Alles, was einen verkraftbaren Schaden absichert, kommt auf die Kündigungsliste. Alles Existenzielle wird geprüft und wenn nötig aufgestockt. Das ist die einzige Versicherungsberatung, die du wirklich brauchst.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und journalistischen Aufbereitung. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung im Einzelfall. Gesetze, Fristen, Beitragssätze und die Rechtsprechung ändern sich laufend – trotz sorgfältiger Recherche können Angaben überholt oder unvollständig sein. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Rechtsanwältin, einen Steuerberater, deine Behörde oder eine Verbraucherzentrale. Eine Haftung für Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden, ist ausgeschlossen.


