Fermentieren klingt nach Wissenschaftslabor – dabei ist es eine der aeltesten und einfachsten Konservierungsmethoden der Welt: Gemuese plus Salz plus Zeit ergibt ein lebendiges Lebensmittel voller probiotischer Bakterien, das monatelang haltbar ist und deiner Darmgesundheit mehr bringt als jedes Supplement. Sauerkraut, Kimchi, eingelegte Gurken und fermentierte Karotten brauchen keine Spezialausruestung, keine Vorkenntnisse und nur 20 Minuten Arbeit – den Rest erledigen die Milchsaeurebakterien fuer dich.
Wie Fermentation funktioniert – einfacher als du denkst
Auf der Oberflaeche jedes Gemüses leben Milchsaeurebakterien (Lactobacillus) – harmlose, nuetzliche Bakterien, die in einer salzigen, sauerstofffreien Umgebung aufbluehen und andere Bakterien (die das Gemuese verderben wuerden) verdraengen. Du brauchst also nur: Gemuese, Salz und ein Gefaess, das den Sauerstoff fernhaelt. Die Milchsaeurebakterien wandeln den natuerlichen Zucker im Gemuese in Milchsaeure um – die gibt dem Ferment den typischen sauren Geschmack, konserviert das Gemuese monatelang und produziert dabei Milliarden probiotischer Bakterien, die deine Darmflora unterstuetzen.
Was du brauchst: Ein grosses Einmachglas mit Buegelverschluss (ein bis zwei Liter, ab 3 Euro) oder ein spezielles Gaertopf (schoener, aber nicht noetig), Meersalz oder Steinsalz ohne Jod und ohne Rieselhilfe (beides hemmt die Milchsaeurebakterien – einfaches, unbehandeltes Salz verwenden), frisches, festes Gemuese (je frischer, desto mehr Milchsaeurebakterien auf der Oberflaeche) und ein Gewicht, um das Gemuese unter der Fluessigkeit zu halten (ein kleines Glasschuelchen, ein sauberer Stein oder ein mit Wasser gefuellter Gefrierbeutel). Das ist alles – kein Starter, keine Spezialkultur, keine komplizierte Ausruestung. Zum Thema Darm auch unser Darmgesundheits-Ratgeber.
Dein erstes Ferment: Sauerkraut in fuenf Schritten
Schritt eins: Einen mittelgrossen Weisskohl (ca. ein Kilogramm) vierteln, den Strunk entfernen und in feine Streifen schneiden. Schritt zwei: In einer grossen Schüssel mit 20 Gramm Salz (zwei Prozent des Kohlgewichts) vermengen und zehn Minuten kraeftig kneten und druecken – der Kohl gibt Wasser ab und wird weich. Nach zehn Minuten sollte genuegend Fluessigkeit (Lake) entstanden sein, um den Kohl spaeter zu bedecken. Schritt drei: Den Kohl fest in ein sauberes Einmachglas druecken – Schicht fuer Schicht reinpressen, damit keine Luftblasen bleiben. Die Lake muss den Kohl bedecken – wenn nicht genug Lake da ist, etwas Salzwasser (ein Teelöffel Salz auf 250 ml Wasser) nachgiessen.
Schritt vier: Ein Gewicht oben drauf, damit der Kohl unter der Lake bleibt (Kontakt mit Luft verursacht Schimmel, unter der Lake sind die Milchsaeurebakterien geschuetzt). Das Glas mit Buegelverschluss schliessen (der Buegel laesst entstehende Gase entweichen, ohne Luft reinzulassen) oder den Deckel nur locker auflegen. Schritt fünf: Bei Raumtemperatur (18 bis 22 Grad) drei bis sieben Tage stehen lassen. Taeglich pruefen, ob der Kohl noch unter der Lake ist, und die Gase durch kurzes Oeffnen des Deckels ablassen. Ab Tag drei probieren: Wenn es dir sauer genug ist, in den Kuehlschrank stellen – dort stoppt die Fermentation und das Sauerkraut haelt drei bis sechs Monate. Fuer Kimchi: Dieselbe Technik, aber mit Chinakohl, Chili, Knoblauch, Ingwer und Fischsauce (oder Sojasauce fuer die vegane Variante) – wuerziger, schaerfer und genauso probiotisch.
Fazit: 20 Minuten Arbeit, monatelang probiotische Nahrung
Fermentieren ist die einfachste und guenstigste Methode, probiotische Lebensmittel herzustellen – ein Kopf Kohl fuer 1,50 Euro ergibt ein Kilogramm Sauerkraut, das im Bioladen 5 bis 8 Euro kosten wuerde und dort oft pasteurisiert ist (die Hitze toetet die probiotischen Bakterien ab – dein selbstgemachtes ist lebendig). Starte mit Sauerkraut, steige ueber Kimchi auf und experimentiere dann mit fermentierten Karotten, Radieschen und Roter Bete. Dein Darm wird es dir danken – und dein Gaumen erst recht.


