Dein Baby sabbert seit Tagen, steckt sich alles in den Mund, ist quengelig und schläft schlechter als sonst – und du fragst dich: Zahnt es? Wahrscheinlich ja. Das Zahnen ist eine der längsten und für viele Babys unangenehmsten Entwicklungsphasen: Vom ersten Zahn (meistens um den sechsten Monat) bis zum letzten Backenzahn (mit etwa zweieinhalb Jahren) bricht sich ein Zahn nach dem anderen durch das Zahnfleisch – insgesamt 20 Milchzähne in etwa zwei Jahren. Nicht jeder Zahn macht Probleme, aber manche Babys leiden bei jedem einzelnen.
Wann welcher Zahn kommt – die typische Reihenfolge
Die ersten Zähne kommen bei den meisten Babys zwischen dem fünften und dem achten Monat – manche früher (ab drei Monaten), manche später (nach dem ersten Geburtstag), beides ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Die typische Reihenfolge: Zuerst die beiden unteren Schneidezähne (sechs bis zehn Monate), dann die oberen Schneidezähne (acht bis zwölf Monate), dann die seitlichen Schneidezähne (neun bis 16 Monate), die ersten Backenzähne (13 bis 19 Monate), die Eckzähne (16 bis 23 Monate) und die zweiten Backenzähne (23 bis 33 Monate). Die Reihenfolge kann variieren – manche Babys bekommen den oberen vor dem unteren Schneidezahn, und das ist völlig normal.
Die Symptome des Zahnens: Vermehrtes Sabbern (der Speichelfluss nimmt Wochen vor dem Durchbruch zu), alles in den Mund stecken und darauf herumkaün (der Gegendruck auf das Zahnfleisch lindert den Schmerz), geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch (manchmal sichtbar bläulich, wenn der Zahn kurz unter der Oberfläche steht), Reizbarkeit und Weinerlichkeit, Schlafstörungen (die Schmerzen sind nachts oft schlimmer, weil die Ablenkung fehlt) und leicht erhöhte Temperatur (bis 38 Grad – Fieber über 38,5 Grad ist kein Zahnungssymptom und sollte ärztlich abgeklärt werden). Wichtig: Durchfall und Fieber über 38,5 Grad werden oft dem Zahnen zugeschrieben, sind aber keine typischen Zahnungssymptome – wenn dein Baby krank wirkt, geh zum Kinderarzt, auch wenn gerade ein Zahn kommt. Zum Thema Baby auch unser Beikost-Ratgeber.
Was hilft – und was du vermeiden solltest
Was hilft: Beissringe (aus dem Kühlschrank – die Kälte betäubt das Zahnfleisch leicht und der Gegendruck tut gut; nicht einfrieren – zu hart und kann das Zahnfleisch verletzen), ein gefeuchtigter kalter Waschlappen zum Draufbeissen, Zahnfleischmassage mit dem sauberen Finger (sanfter Druck auf die schmerzende Stelle) und bei starken Schmerzen altersgerechte Schmerzmittel: Ibuprofen-Saft (ab drei Monaten) oder Paracetamol-Zäpfchen – in der richtigen Dosierung und nicht länger als drei Tage ohne ärztliche Rücksprache.
Was du vermeiden solltest: Zahnungsgele mit Lidocain (Betäubungsmittel – die Wirkung hält nur Minuten und das Gel wird verschluckt, was in seltenen Fällen zu Krampfanfällen führen kann; in einigen Ländern vom Markt genommen), Bernsteinketten (angeblich schmerzlindernd durch Bernsteinsäure auf der Haut – keine wissenschaftliche Evidenz und Strangulationsgefahr), homöopathische Zahnungskügelchen (keine nachgewiesene Wirkung über Placebo hinaus) und hartgefrorene Beissringe oder Lebensmittel (zu hart, können das Zahnfleisch verletzen statt zu lindern). Die besten Hilfsmittel sind die einfachsten: Kalter Beissring, sauberer Finger und bei Bedarf Ibuprofen – alles andere ist Marketing oder riskant.
Fazit: Zahnen ist unangenehm, aber vorübergehend
Das Zahnen gehört zu den Phasen, die sich endlos anfühlen, während du mittendrin steckst – und die du rückblickend kaum noch erinnern wirst. Kalter Beissring, Zahnfleischmassage und bei starken Schmerzen Ibuprofen sind die drei zuverlässigen Helfer. Und wenn die Nächte besonders hart sind: Jeder Zahn, der durch ist, ist einer weniger, der noch kommen muss. In zweieinhalb Jahren ist es vorbei – und du hast ein Kind mit 20 blitzweißen Milchzähnen und einem umwerfenden Lächeln.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Er stellt keine medizinische Empfehlung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, vor der Einnahme von Präparaten sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke. Im Notfall wähle den Notruf 112. Trotz sorgfältiger Recherche kann für die Aktualität und Vollständigkeit der Angaben keine Gewähr übernommen werden.


