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Altersvorsorge für Frauen: Warum die Rentenlücke real ist und wie du sie jetzt schließt

Frauen bekommen in Deutschland durchschnittlich 40 Prozent weniger Rente als Männer – nicht weil sie weniger verdienen (obwohl auch das stimmt), sondern weil sie durch Teilzeit, Elternzeit und Carearbeit weniger in die Rentenkasse einzahlen. Die Folge: Jede fünfte Frau über 65 ist von Altersarmut bedroht. Das klingt nach einem Problem der Zukunft, aber die Lösung muss heute beginnen – denn jeder Euro, den du mit 30 investierst, ist durch den Zinseszinseffekt drei Euro wert, wenn du 65 bist.

Die Rentenlücke verstehen: Wie viel fehlt dir?

Deine gesetzliche Rentenauskunft zeigt dir, was du aktuell erwarten kannst – aber davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern ab. Faustregel: Von der Bruttorente bleiben dir etwa 80 bis 85 Prozent netto. Wenn in deiner Rentenauskunft 1.200 Euro stehen, bleiben real etwa 1.000 Euro. Davon musst du Miete, Lebensmittel, Versicherungen und alles andere bezahlen. Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deiner erwarteten Rente und dem, was du tatsächlich zum Leben brauchst.

Berechne deine persönliche Lücke: Was gibst du heute monatlich aus (ohne Sparraten und Kreditraten, aber mit Miete)? Diese Summe brauchst du auch im Alter – eher etwas weniger, weil das Pendeln wegfällt, aber eher etwas mehr, weil Gesundheitskosten steigen. Ziehe deine erwartete Nettorente ab – die Differenz musst du selbst füllen. Und vergiss nicht: Inflation frisst jedes Jahr zwei bis drei Prozent deiner Kaufkraft. Die 1.000 Euro Rente in 30 Jahren sind real nur noch 550 Euro wert.

ETF-Sparplan: Der einfachste Weg zur Altersvorsorge

Ein ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Weltindex (zum Beispiel den MSCI World oder den FTSE All-World) ist der einfachste, günstigste und historisch zuverlässigste Weg, langfristig Vermögen aufzubauen. Du kaufst monatlich für einen festen Betrag – ab 25 Euro möglich – Anteile an einem Fonds, der Tausende Unternehmen weltweit abbildet. Keine aktive Anlageentscheidung nötig, keine hohen Gebühren, kein Timing-Risiko.

Die historische Durchschnittsrendite des MSCI World liegt bei etwa sieben Prozent pro Jahr vor Inflation. Wer 30 Jahre lang monatlich 200 Euro investiert, hat am Ende bei sieben Prozent Rendite rund 228.000 Euro – eingezahlt wurden nur 72.000 Euro. Der Rest ist Zinseszins. Je früher du anfängst, desto mächtiger ist dieser Effekt. Mit 25 anfangen ist ideal, aber auch mit 40 sind es noch 25 Jahre bis zur Rente – genug, um einen erheblichen Betrag aufzubauen.

Riester, bAV und andere Optionen

Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Mütter: Pro Kind erhältst du 300 Euro Zulage pro Jahr (für nach 2008 geborene Kinder), dazu 175 Euro Grundzulage. Bei zwei Kindern sind das 775 Euro Zulagen jährlich – dafür musst du nur den Mindesteigenbeitrag zahlen, der bei Geringverdienerinnen ab 60 Euro im Jahr liegt. Nachteil: Die Verträge sind oft teuer und unflexibel, und die Rente wird im Alter voll versteuert. Prüfe die Kosten deines Vertrags kritisch.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV) lohnt sich, wenn dein Arbeitgeber zuzahlt – seit 2019 ist ein Zuschuss von mindestens 15 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Dein Eigenbeitrag wird vom Brutto abgezogen, du sparst also Steuern und Sozialabgaben. Nachteil: Die Rente ist im Alter voll steuer- und sozialabgabenpflichtig, und bei einem Jobwechsel ist die Mitnahme manchmal kompliziert. Mehr zum Thema finanzielle Absicherung findest du in unserem Versicherungs-Ratgeber.

FAQ: Häufige Fragen

Ist es für mich mit 45 zu spät?

Nein, auf keinen Fall. Du hast noch 20 bis 22 Jahre bis zur Rente – das ist ein halbes Arbeitsleben. Wer mit 45 anfängt, monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan zu investieren, hat mit 67 bei sieben Prozent Rendite rund 160.000 Euro. Das sind 650 Euro zusätzliche monatliche Rente über 20 Jahre. Nicht perfekt, aber ein enormer Unterschied zu null.

Was, wenn ich nur 50 Euro im Monat übrig habe?

Fang mit 50 Euro an. Über 30 Jahre bei sieben Prozent Rendite werden daraus rund 57.000 Euro. Das ist kein Vermögen, aber es ist eine Rücklage, die deinen Lebensstandard im Alter spürbar verbessert. Und sobald mehr Geld da ist – nach einer Gehaltserhöhung, nach der Elternzeit – erhöhst du den Betrag. Der wichtigste Schritt ist der erste.

Soll ich Schulden tilgen oder investieren?

Konsumschulden (Kreditkarten, Dispokredite mit sechs bis zwölf Prozent Zinsen) immer zuerst tilgen – keine Geldanlage bringt zuverlässig mehr Rendite als Schuldzinsen kosten. Bei niedrig verzinsten Krediten (Immobilie, zinsfreier Studienkredit) kann es sinnvoll sein, parallel zu tilgen und zu investieren. Grundregel: Erst Notgroschen (drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto), dann Schulden tilgen, dann investieren.

Fazit: Deine finanzielle Zukunft liegt in deinen Händen

Die Rentenlücke wird nicht von allein kleiner – aber du kannst sie schließen. Fang heute an, auch wenn es nur 50 Euro im Monat sind. Automatisiere deinen Sparplan, damit du nicht jeden Monat daran denken musst. Und lass dich nicht von der Komplexität abschrecken: Ein einziger ETF-Sparplan auf den MSCI World, jeden Monat bespart und nie angefasst, schlägt auf lange Sicht die meisten aktiven Anlagestrategien. Die beste Zeit zu starten war vor zehn Jahren. Die zweitbeste ist heute.

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