Es war das Spiel, das die Nerven strapazierte – und das Happy End hatte, das ganz Deutschland brauchte. Deutschland lag gegen die Elfenbeineküste in Toronto mit 0:1 zurück, zwei Tore wurden aberkannt, die Mannschaft wirkte ratlos. Dann kam Deniz Undav. Der Stuttgarter Stürmer, eingewechselt in der 60. Minute, drehte das Spiel mit einem Doppelpack – Ausgleich in der 68. Minute, Siegtreffer in der 94. Minute. Deutschland gewinnt 2:1 und steht im Achtelfinale der WM 2026. Zum ersten Mal seit 2014. Nach zwölf Jahren Warten. Der Fluch ist gebrochen.
Der Spielverlauf: Drama in drei Akten
Erster Akt – Deutschlands Frustration: Die DFB-Elf startete dominant. Havertz köpfte in der 10. Minute knapp vorbei, Nmechas Distanzschuss wurde abgefälscht. Dann der Schock: In der 30. Minute schlug der 19-jährige Yan Diomande auf der rechten Seite zu, flankte gefährlich in den Strafraum und nach einer Abwehrschlacht drückte Franck Kessie den Ball zum 0:1 über die Linie. Deutschland hatte danach zweimal den Ball im Netz – Pavlovics Kopfball wurde wegen Fouls an Torwart Fofana aberkannt, Havertz’ Treffer nach einem Musiala-Foul zurückgenommen. Zur Halbzeit stand es 0:1, und die Angst vor dem dritten Gruppenaus in Folge kroch durch die deutschen Wohnzimmer.
Zweiter Akt – Nagelsmanns Dreifachwechsel: In der 60. Minute brachte Julian Nagelsmann Deniz Undav, Nadiem Amiri und Leroy Sane für Pavlovic, Gnabry und David Raum. Acht Minuten später zahlte sich der Mut aus: Amiri flankte von rechts, die Flanke segelte über Havertz hinweg und fand Undav am zweiten Pfosten – der Stürmer nahm den Ball völley und hämmerte ihn ins Netz. 1:1! Das BMO Field bebte. Dritter Akt – Undavs Moment der Unsterblichkeit: Die 94. Minute, Nachspielzeit, alles deutete auf ein Unentschieden hin. Dann spielte Nmecha einen messerscharfen Pass in den Strafraum, Undav drehte sich um seinen Gegenspieler, nahm den Ball mit und schoss flach ins linke Eck. 2:1! Tor in der Nachspielzeit! Deutschland im Achtelfinale! Nagelsmann rannte jubelnd an die Seitenlinie, die Ersatzbank explodierte und Undav verschwand unter einem Haufen Mitspieler. Mehr zur WM 2026 in unserem Deutschland-Curacao-Ratgeber.
Die Zahlen: Undav, der unglaubliche Joker
Deniz Undav hat bei dieser WM in nur 56 Minuten Spielzeit fünf Torbeteiligungen gesammelt (drei Tore, zwei Vorlagen) – die meisten aller Einwechselspieler bei einer einzelnen WM seit Roger Milla 1990. Er ist der erste deutsche Spieler, der bei seinen ersten beiden WM-Einsätzen jeweils trifft, seit Miroslav Klose 2002. Deutschlands xG lag am Ende bei 1,83 gegenüber 1,23 für die Elfenbeineküste – der Sieg war verdient, auch wenn er spät kam. Mit sechs Punkten und 9:2 Toren führt Deutschland die Gruppe E souverän an. Ein Punkt gegen Ecuador am 25. Juni genügt für den Gruppensieg.
Fazit: Deutschland ist zurück – und Undav ist der Held der Nation
Nach dem Gruppenaus 2018 in Russland und dem Gruppenaus 2022 in Katar hat Deutschland endlich wieder ein K.o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Der Weg dorthin war holprig, dramatisch und nervenaufreibend – genau so, wie große Turniergeschichten sein müssen. Und im Zentrum dieser Geschichte steht ein Mann, den vor einem Jahr noch kaum jemand in der Nationalmannschaft auf dem Zettel hatte: Deniz Undav, 28, Stuttgart, Supersub, WM-Held.
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