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Gehaltsverhandlung nach Elternzeit: So holst du das Maximum heraus

Du kommst aus der Elternzeit zurück und merkst: Dein Gehalt ist stehen geblieben, während die Kolleginnen weiter aufgestiegen sind. Kommt dir bekannt vor? Dann bist du nicht allein – aber du kannst etwas dagegen tun. Als Karriereberaterin habe ich in den letzten Jahren hunderte Frauen nach der Elternzeit begleitet, und die allermeisten haben deutlich mehr herausgeholt, als sie sich anfangs zugetraut hatten.

Warum das Timing entscheidend ist

Der größte Fehler, den ich immer wieder sehe: Frauen warten zu lange. Die beste Zeit für eine Gehaltsverhandlung ist nicht sechs Monate nach der Rückkehr – sondern bereits im Rückkehrgespräch oder spätestens vier bis sechs Wochen nach dem Wiedereinstieg. In dieser Phase haben Arbeitgeber ein starkes Interesse daran, dich zu halten und dir den Übergang so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ein weiterer günstiger Zeitpunkt ist das reguläre Jahresgespräch oder wenn du ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hast. Vermeide dagegen Phasen, in denen im Unternehmen gerade umstrukturiert oder gespart wird – dann sind die Aussichten auf eine Gehaltserhöhung naturgemäß schlechter.

Deine Ausgangslage realistisch einschätzen

Bevor du in die Verhandlung gehst, brauchst du harte Fakten. Recherchiere dein aktuelles Marktwert über Portale wie Gehalt.de, Kununu oder Glassdoor. Berücksichtige dabei deine Berufserfahrung – die Elternzeit zählt übrigens arbeitsrechtlich zur Betriebszugehörigkeit. Wie hat sich dein Aufgabengebiet verändert? Hast du vielleicht sogar mehr Verantwortung übernommen?

In meiner Praxis stelle ich fest, dass Frauen nach der Elternzeit durchschnittlich 8 bis 15 Prozent unter ihrem Marktwert verdienen. Das liegt nicht daran, dass sie weniger leisten – sondern daran, dass sie während der Abwesenheit keine Gehaltsrunden mitgenommen haben. Genau dieses Argument kannst du übrigens auch so in der Verhandlung nutzen.

Die Vorbereitung: So baust du deine Argumentation auf

Eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung steht und fällt mit der Vorbereitung. Sammle vorab konkrete Erfolge und Leistungen – auch solche aus der Zeit vor der Elternzeit. Erstelle eine Art Leistungsportfolio mit messbaren Ergebnissen: Projekte, die du geleitet hast, Umsätze, die du generiert hast, Prozesse, die du verbessert hast.

Dazu kommt ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Kompetenzen, die du während der Elternzeit erworben hast. Zeitmanagement, Multitasking, Priorisierung, Empathie, Krisenfestigkeit – all das sind Fähigkeiten, die in Führungspositionen gefragt sind. Formuliere das nicht als Entschuldigung, sondern als Mehrwert.

Die drei stärksten Argumente

Erstens: Dein Marktwert liegt über deinem aktuellen Gehalt. Leg die Zahlen vor, zeig den Branchenvergleich und mach deutlich, dass du ein Gehaltsdefizit aufholst – nicht einfach mehr Geld forderst. Zweitens: Du hast nachweisbare Ergebnisse geliefert und wirst das auch weiterhin tun. Drittens: Du planst langfristig im Unternehmen und willst eine Perspektive, die das widerspiegelt. Weitere hilfreiche Strategien findest du in unserem Ratgeber zur Gehaltsverhandlung für Frauen.

Teilzeit ist kein Argument gegen mehr Gehalt

Einer der hartnäckigsten Mythen: Wer in Teilzeit arbeitet, kann nicht mehr Gehalt fordern. Das ist schlicht falsch. Dein Stundenlohn sollte mindestens genauso hoch sein wie der einer vergleichbaren Vollzeitkraft – alles andere ist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz sogar rechtswidrig. Mehr dazu in unserem Artikel über das Recht auf Teilzeit.

Wenn du von Vollzeit auf Teilzeit wechselst, solltest du auf einen proportional angepassten Stundenlohn achten – und idealerweise eine Gehaltserhöhung verhandeln, die den anteiligen Verlust zumindest teilweise ausgleicht. Viele Arbeitgeber sind hier verhandlungsbereiter, als man denkt.

Was tun bei Ablehnung?

Bekommt du ein Nein, ist das noch nicht das Ende. Frage nach den konkreten Gründen und was du tun müsstest, um in drei oder sechs Monaten erneut zu verhandeln. Lass dir das schriftlich bestätigen – etwa in einer E-Mail. So schaffst du Verbindlichkeit. Alternative Verhandlungspunkte können übrigens genau so wertvoll sein: zusätzliche Urlaubstage, Homeoffice-Tage, Weiterbildungsbudget oder ein Jobticket.

Und wenn du feststellst, dass dein Arbeitgeber grundsätzlich nicht bereit ist, dich fair zu bezahlen? Dann ist es vielleicht Zeit, den Markt zu sondieren. Manchmal ist ein Jobwechsel nach der Elternzeit der effektivste Weg zu einem angemessenen Gehalt. Tipps für den nächsten Schritt findest du in unserem Guide zum Bewerbungsgespräch für Führungspositionen.

FAQ: Häufige Fragen zur Gehaltsverhandlung nach Elternzeit

Habe ich nach der Elternzeit Anspruch auf eine Gehaltserhöhung?

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung gibt es nicht. Allerdings hast du Anspruch auf deinen bisherigen Arbeitsplatz oder einen gleichwertigen – und das schließt das bisherige Gehalt ein. Tarifliche Erhöhungen, die während der Elternzeit stattfanden, stehen dir in der Regel ebenfalls zu.

Wie viel Prozent mehr kann ich realistisch fordern?

Bei einem Nachholbedarf nach ein bis zwei Jahren Elternzeit sind 10 bis 20 Prozent durchaus realistisch, wenn du dich gut vorbereitest und dein Marktwert das hergibt. Bei einem internen Positionswechsel oder mehr Verantwortung sind auch höhere Sprünge möglich.

Kann mein Arbeitgeber mein Gehalt während der Elternzeit kürzen?

Nein, das darf er nicht. Dein Arbeitsvertrag ruht während der Elternzeit, bleibt aber unverändert bestehen. Bei deiner Rückkehr hast du Anspruch auf das gleiche Gehalt wie zuvor – einschließlich zwischenzeitlicher tariflicher Anpassungen.

Fazit: Mut lohnt sich

Die Gehaltsverhandlung nach der Elternzeit ist kein Bittgesuch – es ist dein gutes Recht, für faire Bezahlung einzustehen. Die meisten Frauen, die ich beraten habe, sind im Nachhinein froh, den Schritt gewagt zu haben. Und die, die sich nicht getraut haben? Die ärgern sich noch heute. Bereite dich gründlich vor, kenne deinen Marktwert und geh selbstbewusst in das Gespräch. Du hast es verdient.

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