Du willst etwas fuer Wildbienen und nuetzliche Insekten tun und kaufst ein huebsches Insektenhotel im Gartenmarkt – bunt bemalt, mit Tannenzapfen, Stroh und Lochziegeln gefuellt. Leider ist dieses Hotel fuer Insekten etwa so attraktiv wie ein Hotel ohne Betten fuer dich: Die meisten kommerziellen Insektenhotels sind falsch konstruiert und werden von Wildbienen nicht angenommen. Die Tannenzapfen und das Stroh locken keine Bienen an (sie nisten in Roehren, nicht in Nestern), die Lochziegel haben zu grosse Oeffnungen und die bunte Farbe ist fuer die Insekten irrelevant. Ein wirklich funktionierendes Insektenhotel baust du in einer Stunde selbst – fuer unter 20 Euro.
Was Wildbienen wirklich brauchen
90 Prozent der Insektenhotel-Bewohner sind Wildbienen – und Wildbienen nisten in Roehren: Hohlraueme mit einem Durchmesser von zwei bis zehn Millimetern und einer Tiefe von fuenf bis zehn Zentimetern. In der Natur nutzen sie Kaefer-Bohrloeecher in Totholz, hohle Pflanzenstengel und Erdhöhlen. Im Insektenhotel simulierst du diese natuerlichen Nistplaetze. Die besten Materialien: Bambusroehren (im Gartenmarkt als Bambusstaebe, in 10 bis 15 Zentimeter Stuecke gesaegt), Schilfrohr (in Buendeln, verschiedene Durchmesser), Hartholzbloecke mit Bohrloechern (Eiche, Buche, Esche – kein Nadelholz, das harzt und verklebt die Fluegel der Bienen) und Lehm- oder Tonziegel mit kleinen Loechern (selbst gebohrt).
Was nicht funktioniert (und trotzdem in jedem Gartenmarkt-Hotel steckt): Tannenzapfen (kein Insekt nistet darin), Stroh (allenfalls fuer Ohrwuermer, aber die brauchen kein Hotel), Lochziegel mit grossen Oeffnungen (zu gross fuer Wildbienen, zu glatt – sie brauchen raue Innenwände), Rindenstücke (nutzlos als Nisthilfe) und bunte Anstriche (fuer Bienen irrelevant und moeglicherweise abschreckend durch den Geruch). Konzentriere dich auf Bambusroehren und gebohrtes Hartholz – damit deckst du 90 Prozent der Wildbienenarten ab, die Nisthilfen annehmen. Zum Thema Garten auch unser Gewaechshaus-Ratgeber.
Bauanleitung und der richtige Standort
Die einfachste Konstruktion: Eine leere Konservendose (gross, z. B. Ravioli-Dose) mit Bambusroehren fuellen, die du auf die Dosenlaenge kuerzt. Die Roehren muessen hinten geschlossen sein (Knoten des Bambus nutzen oder mit Watte verschliessen) und vorne sauber abgeschnitten (keine Splitter – die verletzen die Bienenflügel). Alternativ: Ein Hartholzblock (mindestens zehn Zentimeter tief), in den du mit verschiedenen Bohrern (Durchmesser zwei bis zehn Millimeter) Loecher bohrst – nicht durchbohren, die Loecher muessen hinten geschlossen sein. Quer zur Faser bohren (die Stirnseite des Holzes, wo die Jahresringe sichtbar sind), damit keine Risse entstehen.
Standort: Suedost- bis Suedwestausrichtung (die Morgensonne waermt die Bienen auf und aktiviert sie), regengeschuetzt (ein kleines Vordach oder unter einem Dachueberstand), mindestens einen Meter ueber dem Boden (schuetzt vor Bodenfeuchtigkeit und Schnecken) und in der Naehe von bluehenden Pflanzen (die Bienen brauchen Nahrung in der Naehe ihres Nistplatzes). Nicht an Baeume haengen, die im Wind schwanken – Bienen moegen es stabil. Ein Insektenhotel an einer sonnigen Hauswand, unter dem Dach, neben einem Staudenbeet oder Kraeutergarten ist der ideale Standort. Und dann: Geduld haben. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis die ersten Bienen einziehen – aber wenn sie kommen, erkennst du es an den verschlossenen Roehren (die Bienen verschliessen ihre Nistroehren mit Lehm oder Pflanzenmaterial).
Fazit: Ein funktionierendes Insektenhotel fuer unter 20 Euro
Bambusroehren in einer Dose, gebohrtes Hartholz an der sonnigen Hauswand – das ist alles, was Wildbienen brauchen. Vergiss die bunten Gartenmarkt-Hotels mit Tannenzapfen und Stroh – sie sehen huebsch aus, funktionieren aber nicht. Ein selbst gebautes Hotel dauert eine Stunde, kostet fast nichts und gibt dir das befriedigende Gefuehl, etwas Konkretes fuer die Artenvielfalt in deinem Garten getan zu haben.


