Drei von vier Migräne-Betroffenen sind Frauen. Das ist kein Zufall – die weiblichen Geschlechtshormone spielen bei der Entstehung von Migräne eine entscheidende Rolle. Viele Frauen berichten, dass ihre Migräne kurz vor oder während der Periode besonders heftig auftritt, in der Schwangerschaft verschwindet und nach den Wechseljahren besser wird. Trotzdem werden Frauen mit Migräne immer noch zu oft nicht ernst genommen oder mit Standard-Schmerzmitteln abgespeist. Dabei hat sich die Migräne-Therapie in den letzten Jahren revolutioniert.
Die hormonelle Migräne: Wenn der Zyklus zum Trigger wird
Menstruelle Migräne betrifft etwa 60 Prozent aller Frauen mit Migräne. Sie tritt typischerweise in den zwei Tagen vor bis drei Tagen nach Beginn der Periode auf und wird durch den abrupten Östrogenabfall ausgelöst. Diese Attacken sind oft schwerer, dauern länger und sprechen schlechter auf Triptane an als nicht-hormonelle Migräne. Das hormonelle Ungleichgewicht wirkt sich direkt auf die Schmerzverarbeitung im Gehirn aus. Ein Migränetagebuch, in dem du Attacken und Zyklustage dokumentierst, ist der erste Schritt, um ein hormonelles Muster zu erkennen.
Die Revolution: CGRP-Antikörper als neue Prophylaxe
Seit 2018 gibt es in Deutschland eine völlig neue Klasse von Migräne-Medikamenten: die CGRP-Antikörper. Diese Biologika werden einmal monatlich oder vierteljährlich als Spritze verabreicht und blockieren ein Botenmolekül, das bei Migräne-Attacken eine Schlüsselrolle spielt. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bei vielen Patienten halbiert sich die Zahl der Migränetage, bei einigen verschwinden die Attacken nahezu vollständig. Die Nebenwirkungen sind minimal – hauptsächlich Reaktionen an der Einstichstelle. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen, wenn mindestens drei andere Prophylaxe-Medikamente versagt haben oder nicht vertragen wurden.
Was du selbst tun kannst
Regelmäßiger Schlafrhythmus – auch am Wochenende. Ausreichend Magnesium – 400 bis 600 Milligramm täglich kann die Attackenhäufigkeit reduzieren. Ausdauersport dreimal pro Woche – Studien zeigen, dass regelmäßiges Joggen oder Schwimmen die Migränehäufigkeit genauso effektiv senken kann wie Medikamente. Stressmanagement durch Yoga oder progressive Muskelentspannung. Und das Führen eines Migränetagebuchs, um deine individuellen Trigger zu identifizieren – ob Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel, Wetterveränderungen oder hormonelle Schwankungen.
Migräne ist keine Einbildung, kein gewöhnlicher Kopfschmerz und kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die behandelt werden kann und muss. Wenn dein Hausarzt dich nicht ernst nimmt, suche einen Neurologen auf – idealerweise mit Schwerpunkt Kopfschmerz. Du hast ein Recht auf eine Therapie, die funktioniert.


