Stillen ist das Natürlichste der Welt – aber nicht das Einfachste. Wunde Brustwarzen, Milchstau, das Gefühl, nicht genug Milch zu haben, und ein Baby, das nicht richtig andocken will, bringen viele frischgebackene Mütter an den Rand der Verzweiflung. Die gute Nachricht: Die meisten Stillprobleme haben eine Lösung, und mit der richtigen Unterstützung wird Stillen für die große Mehrheit der Frauen zu einer schönen Erfahrung.
Wunde Brustwarzen: Das häufigste Problem in den ersten Tagen
Schmerzende, rissige Brustwarzen sind fast immer ein Zeichen dafür, dass das Baby nicht optimal angelegt ist. Die häufigste Ursache: Das Baby hat nur die Brustwarze im Mund statt eines großen Teils des Warzenhofs. Achte darauf, dass dein Baby den Mund weit öffnet, bevor du es anlegst, und dass die Unterlippe nach außen gestülpt ist. Die Nase und das Kinn berühren die Brust, und du hörst ein rhythmisches Schlucken – nicht ein Schmatzen oder Klicken.
Zur Behandlung: Lass nach dem Stillen etwas Muttermilch auf der Brustwarze trocknen – sie hat heilende Eigenschaften. Lanolin-Salbe (z.B. Lansinoh) pflegt die Haut und muss vor dem Stillen nicht entfernt werden. Brusthütchen aus Silikon können als Übergangslösung helfen, sollten aber nicht dauerhaft verwendet werden, da sie die Milchproduktion reduzieren können. Wenn die Schmerzen nach einer Woche nicht besser werden, lass eine Stillberaterin die Anlegetechnik überprüfen.
Milchstau und Brustentzündung
Ein Milchstau entsteht, wenn ein Milchgang blockiert ist – du spürst einen harten, schmerzenden Knoten in der Brust, die Haut darüber kann gerötet und warm sein. Handele sofort: Stille häufiger und beginne an der betroffenen Brust. Massiere den Knoten während des Stillens sanft in Richtung Brustwarze. Warme Kompressen vor dem Stillen und kalte Wickel danach helfen. Wenn der Milchstau nicht innerhalb von 24 Stunden besser wird und Fieber hinzukommt, hast du möglicherweise eine Brustentzündung (Mastitis) und brauchst ärztliche Hilfe.
Eine Mastitis erfordert oft ein Antibiotikum – keine Sorge, es gibt stillverträgliche Antibiotika, du musst nicht abstillen. Im Gegenteil: Weiterstillen ist die beste Therapie, weil es die Brust entleert und die Heilung fördert. Die Milch ist für das Baby auch bei Mastitis unbedenklich. Informationen zu sicheren Medikamenten in der Stillzeit findest du in unserem Ratgeber zu Medikamenten in der Stillzeit.
Zu wenig Milch? Meistens eine Fehlwahrnehmung
Die Angst, nicht genug Milch zu haben, ist der häufigste Grund für vorzeitiges Abstillen – aber in den meisten Fällen unbegründet. Zuverlässige Zeichen, dass dein Baby genug bekommt, sind sechs bis acht nasse Windeln pro Tag, regelmäßiger Stuhlgang, eine Gewichtszunahme von mindestens 150 Gramm pro Woche in den ersten Monaten und ein zufriedenes Baby nach dem Stillen.
Wenn die Milchmenge tatsächlich zu gering ist, hilft häufigeres Anlegen – die Milchproduktion funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je mehr das Baby trinkt, desto mehr Milch wird produziert. Auch Power-Pumping (20 Minuten pumpen, 10 Minuten Pause, 10 Minuten pumpen, 10 Minuten Pause, 10 Minuten pumpen) kann die Produktion ankurbeln. Bockshornklee-Tee und Malzbier werden traditionell empfohlen, die wissenschaftliche Evidenz ist allerdings begrenzt.
Abstillen: Wann und wie
Die WHO empfiehlt sechs Monate ausschließliches Stillen und begleitendes Stillen bis zum zweiten Geburtstag. Aber jede Stilldauer ist wertvoll – auch vier Wochen oder drei Monate. Wenn du abstillen möchtest, tue es schrittweise: Ersetze über zwei bis vier Wochen nach und nach einzelne Stillmahlzeiten durch Fläschchen oder Beikost. Beginne mit der Mahlzeit, die eurem Alltag am leichtesten zu ersetzen ist – meist die Nachmittags- oder Abendmahlzeit.
Abruptes Abstillen solltest du vermeiden – es kann zu Milchstau, Brustentzündung und hormonellem Crash führen. Wenn du aus medizinischen Gründen abrupt abstillen musst, kühle die Brust, nimm bei Bedarf Schmerzmittel und streiche nur so viel Milch aus, dass der Druck nachlässt. Der Beginn der Beikost erleichtert das Abstillen – Tipps dazu in unserem Artikel zur Beikost-Einführung.
FAQ: Häufige Fragen
Wer hilft bei Stillproblemen?
Deine Nachsorgehebamme ist die erste Ansprechpartnerin – sie kommt in den ersten Wochen nach der Geburt zu dir nach Hause und die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Zertifizierte Stillberaterinnen (IBCLC) sind auf komplexe Stillprobleme spezialisiert. Stillgruppen in deiner Stadt bieten Austausch und gegenseitige Unterstützung.
Kann ich bei flachen oder Hohlwarzen stillen?
Ja, das Baby trinkt nicht von der Brustwarze, sondern aus dem Warzenhof. Eine Stillberaterin kann dir spezielle Anlegetechniken zeigen. Brustwarzenzieher können die Warze vor dem Anlegen hervorlocken, und Brusthütchen helfen als Übergangslösung, bis das Baby gelernt hat, an der Brust zu trinken.
Ist Stillen mit Brustimplantaten möglich?
In den meisten Fällen ja, besonders wenn die Implantate unter den Brustmuskel gesetzt wurden und der Schnitt nicht am Warzenhof erfolgte. Die Silikonhülle des Implantats gibt keine Stoffe an die Muttermilch ab. Sprich mit deiner Stillberaterin über mögliche Einschränkungen bei der Milchproduktion.
Fazit: Stillen darf nicht wehtun
Wenn Stillen dauerhaft schmerzhaft ist, stimmt etwas nicht – und das lässt sich fast immer beheben. Hole dir früh Hilfe, sei geduldig mit dir und deinem Baby und setze dich nicht unter Druck. Ob du vier Wochen oder zwei Jahre stillst – jeder Tag zählt und jede Entscheidung ist richtig, solange sie für dich und dein Baby passt.

