in

Testament erstellen: Wie du dein Erbe regelst und was du über Pflichtanteil und Enterben wissen musst

Über den Tod spricht niemand gern – aber wer kein Testament macht, lässt das Gesetz entscheiden, wer was bekommt. Und die gesetzliche Erbfolge passt selten zu dem, was man sich eigentlich wünscht. Patchwork-Familien, unverheiratete Paare, Streit unter Geschwistern – ohne Testament wird es oft kompliziert und teuer. Hier erfährst du, wie du ein rechtsgültiges Testament erstellst und welche Fallstricke du kennen musst.

Die gesetzliche Erbfolge: Was ohne Testament passiert

Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge nach dem BGB. Bei verheirateten Paaren mit Kindern erbt der Ehepartner die Hälfte, die andere Hälfte teilen sich die Kinder zu gleichen Teilen. Unverheiratete Partner erben gar nichts – auch nicht nach 30 Jahren Zusammenleben. Ohne Kinder erben neben dem Ehepartner die Eltern oder Geschwister des Verstorbenen. Das führt häufig zu Erbengemeinschaften, die sich über die Nutzung der Immobilie oder die Aufteilung des Vermögens nicht einigen können.

Wenn du mit deiner Partnerin oder deinem Partner nicht verheiratet bist, ist ein Testament zwingend nötig – ohne das Dokument geht dein Partner im Erbfall komplett leer aus. Auch bei Patchwork-Familien, in denen Stiefkinder nicht automatisch erben, ist ein Testament die einzige Möglichkeit, für eine gerechte Verteilung zu sorgen.

Handschriftliches vs. notarielles Testament

Ein handschriftliches Testament ist rechtsgültig, wenn es vollständig handschriftlich verfasst ist (kein Computerausdruck), Datum und Ort enthält und eigenhändig unterschrieben ist. Es kostet nichts und kann jederzeit geändert oder widerrufen werden. Der Nachteil: Im Erbfall muss es vom Nachlassgericht eröffnet werden, und es besteht das Risiko von Formfehlern oder Auslegungsstreitigkeiten.

Ein notarielles Testament wird von einem Notar aufgesetzt und beurkundet. Es ist formfehler-sicher, wird automatisch beim Nachlassgericht hinterlegt und ersetzt im Erbfall den Erbschein – das spart den Erben Zeit und Kosten. Die Notargebühren richten sich nach dem Vermögenswert: Bei einem Nachlasswert von 200.000 Euro kostet die Beurkundung etwa 435 Euro, bei 500.000 Euro etwa 935 Euro. Mehr zur rechtlichen Vorsorge findest du in unserem Ratgeber zur Vorsorgevollmacht.

Das Berliner Testament: Vor- und Nachteile

Das beliebteste Ehegattentestament: Die Partner setzen sich gegenseitig als Alleinerben ein, die Kinder erben erst nach dem Tod des zweiten Elternteils. Der Vorteil ist die Absicherung des überlebenden Partners. Die Nachteile: Die Erbschaftsteuer-Freibeträge der Kinder gegenüber dem zuerst verstorbenen Elternteil verfallen. Und die Kinder können beim Tod des ersten Elternteils ihren Pflichtteil fordern – was den überlebenden Ehepartner in finanzielle Schwierigkeiten bringen kann.

Um die Pflichtteilsproblematik zu entschärfen, nimmt man häufig eine Pflichtteilsstrafklausel auf: Wer beim Tod des ersten Elternteils den Pflichtteil fordert, wird beim Tod des zweiten Elternteils ebenfalls nur auf den Pflichtteil gesetzt. Das schreckt die meisten Kinder davon ab, vorzeitig ihren Anteil einzufordern.

Pflichtanteil und Enterben

Komplett enterben ist in Deutschland fast unmöglich – Ehepartner, Kinder und unter Umständen Eltern haben immer Anspruch auf den Pflichtteil, der die Hälfte des gesetzlichen Erbteils beträgt. Wenn dein Kind gesetzlich ein Viertel erben würde, steht ihm als Pflichtteil ein Achtel zu – unabhängig davon, was im Testament steht.

Eine Entziehung des Pflichtteils ist nur in extremen Ausnahmefällen möglich: bei einem Mordversuch am Erblasser, schwerer Straftat oder gröblicher Pflichtverletzung. Die Hürden sind bewusst hoch. Was du tun kannst: Zu Lebzeiten Vermögen übertragen, Schenkungen vornehmen (nach zehn Jahren fällt das Geschenkte aus der Pflichtteilsberechnung) oder durch geschickte Testamentsgestaltung den Pflichtteil minimieren.

FAQ: Häufige Fragen

Kann ich mein Testament jederzeit ändern?

Ein Einzeltestament kannst du jederzeit ändern oder widerrufen – durch ein neues Testament oder durch Vernichtung des alten. Ein gemeinschaftliches Testament (z.B. Berliner Testament) kann nach dem Tod des ersten Partners in der Regel nicht mehr geändert werden, wenn es bindende Verfügungen enthält.

Brauche ich einen Anwalt für ein Testament?

Bei einfachen Vermögensverhältnissen reicht ein handschriftliches Testament. Bei größeren Vermögen, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder komplexen Familienstrukturen empfehle ich dringend die notarielle Beratung – die Kosten sind gemessen am Nachlasswert gering und die Rechtssicherheit ungleich höher.

Was passiert mit meinen Schulden im Erbfall?

Erben erben auch die Schulden. Sie können die Erbschaft innerhalb von sechs Wochen ausschlagen und haften dann nicht. Alternativ können sie die Haftung auf den Nachlass beschränken (Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz), sodass ihr Privatvermögen geschützt ist.

Fazit: Regele deinen Nachlass, bevor es andere tun

Ein Testament ist kein Zeichen von Pessimismus, sondern von Verantwortung. Es schützt die Menschen, die dir wichtig sind, verhindert Streit unter den Erben und stellt sicher, dass dein Vermögen dort ankommt, wo du es haben willst. Nimm dir einen Nachmittag Zeit, schreibe dein Testament oder vereinbare einen Notartermin. Deine Familie wird es dir danken.

Blutzucker natürlich senken: Was Ernährung und Bewegung wirklich bewirken können

Stillen: Die häufigsten Probleme und wie du sie löst – von Milchstau bis Abstillen