Sommerferien, Koffer gepackt, ab in den Urlaub – und die Reisekrankenversicherung? Haben die meisten nicht. Dabei ist sie die günstigste und wichtigste Reiseversicherung überhaupt: 8 bis 20 Euro pro JAHR für die ganze Familie. Und ohne sie kann ein Krankenhausaufenthalt in den USA, ein Beinbruch in der Schweiz oder ein Rettungsflug aus Thailand dich finanziell ruinieren.
Was deine gesetzliche Krankenkasse im Ausland zahlt – und was nicht
In der EU (mit der Europäischen Krankenversicherungskarte EHIC auf der Rückseite deiner Versichertenkarte): Die Kasse zahlt Behandlungen wie ein gesetzlich Versicherter des Urlaubslandes – aber nur in öffentlichen Einrichtungen und nur zu den dortigen Sätzen. Privatkliniken (an Urlaubsorten oft die einzigen erreichbaren), Zuzahlungen und Eigenanteile trägst du selbst. Außerhalb der EU (USA, Thailand, Türkei außerhalb der Sozialversicherungsabkommen, Australien…): Die gesetzliche Kasse zahlt NICHTS. Null. Ein Blinddarm-OP in den USA: 30.000 bis 80.000 Dollar. Eine Woche Intensivstation: 100.000 Dollar und mehr. Und das Wichtigste, das KEINE gesetzliche Kasse zahlt – auch nicht in der EU: Der medizinische Rücktransport nach Deutschland. Ein Ambulanzflug aus Südostasien kostet 60.000 bis 120.000 Euro. Aus den USA: bis zu 150.000 Euro.
Was eine gute Reisekrankenversicherung kostet und können muss: Kosten: Einzelperson 8 bis 15 Euro pro Jahr, Familie 15 bis 30 Euro pro Jahr (Jahresverträge gelten für beliebig viele Reisen bis je 6 bis 8 Wochen Dauer). Worauf achten: Medizinisch sinnvoller Rücktransport (nicht nur medizinisch notwendig – der Unterschied entscheidet, ob du bei einem komplizierten Bruch nach Hause geflogen wirst oder wochenlang im Ausland liegst). Keine Selbstbeteiligung. Weltweite Geltung inklusive USA/Kanada. Corona/Pandemie-Deckung. Gute Anbieter mit Top-Bewertungen bei Stiftung Warentest: HanseMerkur, TravelSecure, ADAC, Barmenia – vergleiche auf Check24. Für Langzeitreisen (Work and Travel, Sabbatical, Auslandssemester) brauchst du eine spezielle Langzeit-Auslandskrankenversicherung (ab ca. 30 Euro monatlich). Zum Thema Reise auch unser Fluggastrechte-Ratgeber.
Im Notfall im Ausland: die richtige Reihenfolge
Wenn im Urlaub etwas passiert, entscheidet oft der erste Anruf über den Ablauf. Kontaktiere möglichst früh die Notrufnummer deiner Reisekrankenversicherung – sie steht auf der Versicherungskarte und ist rund um die Uhr erreichbar. Die Assistance-Zentrale nennt dir geeignete Ärzte und Kliniken in der Nähe, klärt die Kostenübernahme direkt mit der Einrichtung und organisiert im Ernstfall den Rücktransport. Wer erst behandelt wird und danach anruft, muss häufiger in Vorleistung gehen.
Sammle in jedem Fall alle Belege im Original: Arztrechnungen, Rezepte, Quittungen der Apotheke und Berichte über die Behandlung. Achte darauf, dass Diagnose und erbrachte Leistungen aufgeführt sind, denn Rechnungen ohne Diagnose führen regelmäßig zu Rückfragen. Reiche die Unterlagen nach der Rückkehr zügig ein – die meisten Versicherer setzen Fristen. Innerhalb der EU legst du zusätzlich die Versichertenkarte vor, damit der gesetzliche Anteil direkt abgerechnet werden kann.
Worauf du beim Vertragsabschluss achten solltest
Nicht jede günstige Police taugt etwas, und die Unterschiede stecken im Kleingedruckten. Prüfe zuerst die Formulierung zum Rücktransport: Nur wenn dieser bei medizinisch sinnvollem statt ausschließlich medizinisch notwendigem Anlass erstattet wird, wirst du auch bei einem komplizierten Bruch nach Hause geholt. Achte zweitens auf eine fehlende Selbstbeteiligung, drittens auf weltweite Geltung inklusive Nordamerika und viertens auf eine ausreichende Höchstdaür je Reise.
Sieh außerdem nach, wie mit bestehenden Vorerkrankungen umgegangen wird – viele Tarife schließen die Behandlung chronischer Leiden aus, erstatten aber akute Verschlechterungen. Bei Schwangerschaft, Risikosportarten oder längeren Aufenthalten gelten häufig Sonderregelungen. Und wenn du mehrmals im Jahr verreist, ist ein Jahresvertrag praktisch immer günstiger als einzelne Reisepolicen. Mehr Reisewissen in unserem Zoll-Ratgeber.
Ein letzter Tipp, der oft vergessen wird: Speichere die Notrufnummer deines Versicherers direkt im Handy und fotografiere die Versicherungskarte, bevor du losfährst. Im Ernstfall hast du die Daten dann auch dann parat, wenn die Unterlagen im Hotelsafe liegen oder der Koffer verloren gegangen ist. Ebenso sinnvoll ist es, Partner oder Familie kurz zu informieren, welche Police besteht und wo die Unterlagen zu finden sind.
Fazit: 10 Euro im Jahr gegen 100.000 Euro Risiko – schliess sie heute ab, nicht am Flughafen
Die Reisekrankenversicherung ist die beste Preis-Leistung im gesamten Versicherungsmarkt. Vor dem nächsten Urlaub: 10 Minuten vergleichen, abschließen, entspannt fliegen. Und die EHIC-Karte trotzdem einpacken – doppelt hält besser.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und journalistischen Aufbereitung. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung im Einzelfall. Gesetze, Fristen, Beitragssätze und die Rechtsprechung ändern sich laufend – trotz sorgfältiger Recherche können Angaben überholt oder unvollständig sein. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Rechtsanwältin, einen Steuerberater, deine Behörde oder eine Verbraucherzentrale. Eine Haftung für Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden, ist ausgeschlossen.


