Die Entscheidung ist gefallen – du willst dich trennen. Doch bevor die Scheidung eingereicht werden kann, verlangt das deutsche Recht ein Jahr Trennungszeit. Zwölf Monate, in denen du und dein Partner getrennt leben müsst, bevor ein Richter die Ehe auflöst. Was einfach klingt, wirft in der Praxis hunderte Fragen auf: Muss einer ausziehen? Wer zahlt was? Was ist mit den Kindern? Und was passiert mit dem gemeinsamen Konto?
Was „getrennt leben” rechtlich bedeutet
Getrennt leben heißt nicht zwingend, in getrennten Wohnungen zu leben – obwohl das die einfachere Variante ist. Auch eine Trennung innerhalb der gemeinsamen Wohnung wird anerkannt, wenn die „häusliche Gemeinschaft” aufgelöst ist. Das bedeutet: Getrennte Schlafzimmer, kein gemeinsames Kochen, kein gemeinsames Einkaufen, keine gemeinsame Freizeitgestaltung, getrennte Finanzen. Klingt schwierig unter einem Dach? Ist es auch. Aber manchmal ist es finanziell die einzige Möglichkeit, besonders wenn Kinder im Spiel sind und kein Geld für eine zweite Wohnung da ist.
Unterhalt im Trennungsjahr: Was dir zusteht
Bereits im Trennungsjahr hast du Anspruch auf Trennungsunterhalt, wenn du weniger verdienst als dein Ehepartner. Die Höhe richtet sich nach den ehelichen Lebensverhältnissen – grob gesagt: Drei Siebtel der Differenz eurer bereinigten Nettoeinkommen. Verdient dein Mann 3.500 Euro netto und du 1.200 Euro, beträgt der Trennungsunterhalt etwa 660 Euro monatlich. Kindesunterhalt kommt hinzu und richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle. Fordere den Unterhalt schriftlich ein – ab dem Zeitpunkt der Aufforderung entsteht der Anspruch, nicht rückwirkend. Die vollständigen finanziellen Aspekte der Scheidung solltest du frühzeitig verstehen.
Was du im Trennungsjahr sofort regeln solltest
Eigenes Girokonto eröffnen, falls du noch keines hast. Alle Finanzunterlagen sichern – Kontoauszüge, Steuerbescheide, Versicherungspolicen, Grundbuchauszüge. Gemeinsame Konten und Kreditkarten klären. Die Vorsorgevollmacht widerrufen, die du deinem Partner erteilt hast. Eigene Versicherungen abschließen – nach der Trennung endet der Versicherungsschutz über den Partner oft automatisch. Und: Dokumentiere den Beginn der Trennung schriftlich, zum Beispiel durch einen Brief an deinen Partner, den du per Einschreiben schickst. Das Datum ist entscheidend für die Berechnung des Trennungsjahres.
Das Trennungsjahr ist eine Übergangsphase, die emotional und praktisch fordernd ist. Aber es ist auch eine Phase, in der du die Weichen für deine finanzielle Zukunft stellst. Nutze die Zeit klug, informiere dich über deine Rechte und lass dich von einem Fachanwalt beraten. Die 190 Euro für eine Erstberatung sind die beste Investition, die du in dieser Situation machen kannst.


